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Dmitri Medwedew in Bangkok

Nähern Thailand und Russland sich an?

Donnerstag, 09 April 2015 23:45 geschrieben von 
Prayuth Chan-ocha Prayuth Chan-ocha Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Government of Thailand | CC BY 2.0

Moskau - Nach seinem mit einer Vielzahl von Abkommen in den Bereichen Energieversorgung, Industrieaufbau, militärischer Zusammenarbeit und vor allem dem Beschluß des Verzichts auf den US-Dollar und der Verwendung von Rubel und Dong im bilateralen Handel sehr erfolgreichen Besuch in Vietnam reiste Russlands Premierminister Dmitri Medwedew nach Thailand weiter, wo er am Mittwoch seinen Thai-Amtskollegen General Prayuth Chan-ocha traf.

Im Ergebnis wurden fünf Absichtserklärungen unterzeichnet, welche eine Ausweitung der Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Investitionen, Bekämpfung des Drogenhandels, Kultur und Tourismus beinhalten. Auch wird Rußland Thailand mit Kenntnissen in militärischer und ziviler Luftfahrt unterstützen. Als eines der Hauptziele soll Prayuth die Verdoppelung des bilateralen Handelsvolumens auf 10 Milliarden Dollar im Jahr 2016 bezeichnet haben. Medwedew bekundete insbesondere Interesse am Erwerb von Gummi aus Thailand.

Auch in Thailand wurde von Medwedew die Abkehr vom Dollar und der Übergang zu den nationalen Währungen im bilateralen Handel vorgeschlagen. „Dies würde es ermöglichen, bei instabilen Währungskursen und spekulativen Attacken auf Nationalwährungen Verluste und Währungsrisiken zu minimieren. Letzten Endes könnten wir auch die Konkurrenzfähigkeit unserer Waren auf den Innenmärkten stärken“ führte Medwedew der staatlich-russischen Nachrichtenagentur Sputnik zufolge aus. Die „spekulativen Attacken“ dürften auf George Soros gemünzt sein, welcher 1997 mit Spekulationen gegen den malayischen Ringgit und den thailändischen Baht die Asienkrise mit auslöste und überdies mit seiner „philanthropischen“ Nichtregierungsorganisation zu den bedeutendsten Financiers „demokratischer“ Gegner der Militärregierung gehört.

Selbst ein Freihandelsabkommen zwischen Thailand und der Eurasischen Wirtschaftsunion empfahl der russische Premier, analog zu jenem, welches mit Vietnam ausgehandelt worden ist. „Wir haben eine gesetzliche Struktur geschaffen, welche als Territorium der fortgeschrittenen Entwicklung bezeichnet wird. Es ist tatsächlich eine Vorzugszone mit besonderer Besteuerung, vereinfachter Steuerregelung, vereinfachtem Landerwerb - vielleicht wird das auch für unsere Thai-Partner interessant sein“, so Medwedew.

Der erste Besuch eines russischen Premiers seit 25 Jahren ist von besonderer Bedeutung für das südostasiatische Land, welches seit einem Militärputsch gegen die für ihren im Exil lebenden Bruder Thaksin im Grunde als Stellvertreterin regierende Yingluck Shinawatra eine zunehmend nationalsouveränistische Politik vertritt und sich von seiner traditionellen Hörigkeit gegenüber den USA ab- und der Vertretung eigener Interessen zuwendet. Die daraus erfolgte Stigmatisierung Thailands seitens der USA und ihrer Verbündeten nutzen China und Russland wiederum für freundliche Annäherungsversuche. „Freunde zeigen ihren Wert, wenn man in Schwierigkeiten ist. Freude werden helfen und verstehen“ erklärte Prayuth, der seinerseits in den nächsten Monaten Moskau besuchen wird.

Die Welt ist in Aufruhr, und die Karten werden neu gemischt. Die USA versuchen, ihre einseitige Vormachtstellung mit Drohungen, fremdfinanzierten Revolutionen und notfalls militärischen Interventionen zu sichern. Russland und China als Vertreter der Multipolarität setzen hingegen auf attraktive wirtschaftliche Kooperationsangebote und scheinen damit zunehmend erfolgreich.

 

Quellen:

http://www.bangkokpost.com/news/general/522271/thailand-russia-sign-agreements-on-drug-trafficking-energy
http://rt.com/business/247893-russia-thailand-free-trade
http://de.sputniknews.com/politik/20150408/301829697.html#ixzz3Wk1l9l2i

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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