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Indiens Regierung greift durch

Nichtregierungsorganisationen im Fadenkreuz

Mittwoch, 03 Juni 2015 14:33 geschrieben von 
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Neu Delhi - Nach Russland hat sich jetzt auch Indien zu einer schärferen Vorgehensweise gegen aus dem Ausland finanzierte Nichtregierungsorganisationen (Non-governmental organizations, NGOs) entschlossen. 8975 solcher NGOs und Wohltätigkeitsorganisationen wurde durch die indische Regierung die Lizenz entzogen, da sie nicht willens oder in der Lage waren, ihre ausländischen Finanzierungsquellen der nächsten drei Jahre ab 2009/10 ausreichend offenzulegen. Systematische Verstöße gegen das Gesetz über ausländische Spenden und die NGO-Registrierungsregeln, mangelhafte Berichterstattung über die Tätigkeiten in Indien und unangemessene Verwendung von Geldern sind die wichtigsten Vorwürfe.

Konkret bedeutet dies für die Organisationen auf dieser „Schwarzen Liste“, daß sie keine inländischen oder ausländischen Gelder erhalten dürfen, bis die indischen Behörden explizit anders entschieden haben. Die Konten von Greenpeace wurden eingefroren, die Lizenz der Organisation für sechs Monate entzogen. Gegen die Ford-Stiftung und einige andere wurden Untersuchungen eingeleitet.

Die Angelegenheit ist eine zweischneidige Sache, denn einerseits ist es ein berechtigtes Anliegen der indischen Regierung, ausländische Einmischung in innere Angelegenheiten zu unterbinden, andererseits werden z.T. auch legitime Proteste, wie etwa gegen den Anbau gentechnisch veränderter Nahrungsmittel (GMOs), unterdrückt. Das Pikante dabei ist, daß dieser GMO-Anbau selbst vor allem durch ausländischen Druck auf Indien möglich geworden ist.

Seit 1995, so war in Compact 6/2015 zu lesen, sollen sich laut indischen Behörden 300.000 indische Farmer das Leben genommen haben, weil Mißernten und Verträge mit internationalen Konzernen sie in den Ruin getrieben hatten. „Jedes Jahr trinken 20.000 indische Kleinbauern ihr Insektizid, um sich das Leben zu nehmen. Sie sind überschuldet.“ wird dort die FAZ vom 24. September 2010 zitiert. Insbesondere der berüchtigte Multi Monsanto spielt auch hier eine unrühmliche Rolle, indem er nach und nach alle Saatguthersteller Indiens aufkauft. Einheimische Erzeugnisse werden zugunsten von GMOs immer mehr verdrängt, die für GMOs nötigen gefährlichen Pestizide liefert Monsanto aber freundlicherweise gleich mit.

Nun werden möglicherweise unter dem Vorwand des Schutzes der nationalen Souveränität einheimische Bauern davon abgehalten, sich gegen internationale Multis zu wehren, wenn sie selbst zur Unterstützung ihres Kampfes mit international finanzierten Organisationen zusammenarbeiten.

Andererseits sind Organisationen wie die Ford-Stiftung gänzlich den geostrategischen Interessen der USA verpflichtet, gerade diese hat sich massiv in innere Angelegenheiten Indiens eingemischt, etwa unter dem Vorwand christlicher Missionsbestrebungen, und insbesondere zu Zeiten des Krieges nicht selten als Tarnorganisation der CIA gewirkt. Entsprechend kam aus den USA auch massive Kritik am Vorgehens der indischen Regierung. Der strengere Umgang mit den NGOs enthält für Indien positive wie schädliche Möglichkeiten, was die realen Folgen sein werden, bleibt abzuwarten.

 

Hinweise:

http://www.reuters.com/article/2015/04/28/us-india-charities-funding-idUSKBN0NJ14D20150428
http://journal-neo.org/2015/06/02/india-fighting-against-foreign-ngos

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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