Freigegeben in Politik

Ein Querkopf auf Kuschelkurs mit der Israel-Lobby?

Präsidentschaftsvorwahlen 2016 in den USA: Donald Trump begeistert das AIPAC

Dienstag, 22 März 2016 17:37 geschrieben von 
Donald Trump bei einer Rede in Manchester, New Hampshire, im Februar 2016 Donald Trump bei einer Rede in Manchester, New Hampshire, im Februar 2016 Quelle: en.wikipedia.org | Marc Nobel | CC BY 2.0

Washington – Nachdem der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump bei zahlreichen Gelegenheiten wider den Stachel des pro-israelischen US-Establishments gelöckt hatte, tat er bei seinem Auftritt vor der bedeutendsten Lobbyorganisation in der USA, dem AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), am 21. März das genaue Gegenteil und lieferte eine Rede, in welcher er sich durch und durch als Mann Israels präsentierte.

Zuvor hatte bereits Hillary Clinton geredet und, wie erwartet, keinen Zweifel an ihrer Stellung als prozionistische Scharfmacherin gelassen. Donald Trump hatte hingegen im Vorfeld durchaus eine andere Erwartungshaltung aufgebaut. 
Beispielsweise hatte er, entgegen der US-offiziellen Lesart, die Hauptverantwortung des US-Verbündeten Saudi-Arabien an den Anschlägen vom 11.9.2001 betont, den Sturz Saddam Husseins und Muammar Ghaddafis eindeutig als falsch dargestellt, sich für einen kooperativen Kurs gegenüber Putins Rußland ausgesprochen, die Existenzberechtigung der NATO in Frage gestellt und seine Unabhängigkeit von Spendengeldern der Hochfinanz betont... mit derartigen Ansichten hatte er sich folgerichtig die Feindschaft der Neocons und des mächtigen Spekulanten George Soros zugezogen.

Selbst kurz vor seiner Rede vor dem AIPAC hatte er noch gemeint, Israel solle den USA für ihre Hilfe Geld zurückzahlen. Doch wer nun erwartet hatte, Trump würde seine ungewöhnlichen Positionen vor dem AIPAC selbst vertreten, wurde gründlich enttäuscht.
Stattdessen lieferte er eine kritiklos israelfreundliche Rede, welche die ursprünglich skeptischen Anwesenden zu wahren Begeisterungsstürmen hinriß. In einem Rundumschlag geißelte er Obama und Hillary Clinton, die das von Israel abgelehnte Nuklearabkommen mit dem Iran zugelassen hatten und bezichtigte den Iran der Destabilisierung der Region. Jerusalem bezeichnete er als „ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes“, die Palästinenser, welchen er einseitig die Schuld am Scheitern des „Friedensprozesses“ zuschob, müßten die enge US-israelische Beziehung als gegeben akzeptieren.

Nun kann es sich hierbei durchaus um ein wahlkampftaktisches Manöver halten. Trump ist in seinen Aussagen oft extrem und zudem nicht immer kohärent. Während bezüglich der Politik einer US-Präsidentin Hillary Clinton kaum Fragen bestehen dürften, ist sowohl bei Trump als auch bei seiner demokratischen Entsprechung als Querkopf, Bernie Sanders, vieles offen. Wie eine tatsächliche Außenpolitik Trumps aussehen würde, ist nur bedingt zu sagen. Wer jedoch gehofft hatte, Trump würde sich dem Einfluß der pro-israelischen Lobby tatsächlich entziehen, sieht sich nun eines Besseren belehrt.

 

Verweise:
http://www.aipac.org
https://www.washingtonpost.com/news/post-politics/wp/2016/03/21/donald-trump-reveals-foreign-policy-team-in-meeting-with-the-washington-post
http://www.haaretz.com/world-news/u-s-election-2016/1.710188
http://www.haaretz.com/israel-news/1.710180
http://www.haaretz.com/world-news/u-s-election-2016/1.710222

Artikel bewerten
(13 Stimmen)
Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

Redaktion