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Boykott israelischer Produkte

Reykjavík unterstützt Palästina

Freitag, 18 September 2015 16:27 geschrieben von 
Island Island

Reykjavik - Islands Hauptstadt Reykjavík hat auf eine links-grüne Initiative den Beschluß gefaßt, sämtliche in Israel hergestellten Produkte zu boykottieren. Begründet wird dies mit der anhaltenden illegalen Besetzung der palästinensischen Territorien. Für die weltweite Kampagne „Boycott Divestment Sanctions“ (BDS) gegen Israel ist dies ein gewaltiger Erfolg, Israel zeigt sich indes weniger amüsiert.
Die Gemeinde setzt sich bereits seit langem für die faktische und gesetzliche Errichtung eines souveränen und lebensfähigen Palästinenserstaates ein. Mitglieder des Reykjavíker Stadtrates erklärten, die Maßnahme habe symbolische und praktische Bedeutung, mit dem Ziel, „Rassismus und Apartheid“ Israels ein Ende zu setzen.

Die sozialdemokratische Stadträtin Björk Vilhelmsdóttir, welche die Resolution vorgelegt hatte, erklärte dazu: „Ich denke, daß die Stadt eine klare Botschaft aussendet, daß sie keine Produkte aus Israel erwerben wird, während Israel ein anderes Volk auf der Grundlage von Ethnizität und Rasse unterdrückt, und weiterhin die Mauer innerhalb Palästinas hat.“ Den Rest des Jahres möchte die in den Ruhestand tretende Politikerin mit humanitären Projekten in den besetzten Palästinensergebieten verbringen. 
Kritik kam von der liberalkonservativen „Unabhängigkeitspartei“. Deren Vorsitzender in der Hauptstadt, Halldór Halldórsson, bezeichnete den Freihandel als den besten Weg, den Frieden zu sichern und Brücken zwischen Völkern zu bauen. Dies entspricht natürlich der neoliberalen Sichtweise, doch sei nur am Rande darauf hingewiesen, daß sich „Händel“ von „Handel“ ableitet, und „täuschen“ von „tauschen“ - eine andere Erfahrung mit dem Handel als die beschriebene hat sich in der Sprache eingeprägt.

Israelische Medien kritisierten insbesondere, daß zwischen dem Staat Israel in seinen offiziellen Grenzen und den besetzten Gebieten kein Unterschied gemacht würde. Das israelische Außenministerium veröffentlichte eine offizielle Erklärung, in welcher es, auf die vulkanischen Aktivitäten in Island anspielend, von einem „Vulkan des Hasses, der im Gebäude der Reykjavíker Gemeinde explodiert ist“ sprach. „Aus keiner Begründung oder Rechtfertigung, außer Haß zum Selbstzweck, sind Rufe nach einem Boykott des Staates Israel zu hören... Wir hoffen, jemand in Israel wird zu Sinnen kommen und die einseitige Blindheit gegen Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, beenden.“

Man muß kein Anhänger der linksgrünen Reykjavíker sein, um die Erklärung Israels mit einem Stirnrunzeln zu kommentieren. Massive Inhaftierungen von Palästinensern ohne rechtliche Grundlage, maßlos brutales Vorgehen und illegaler Siedlungsbau in den besetzten Gebieten, die massive Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten sowie die Unterstützung islamistischer Terroristen (Al-Nusra, „Islamischer Staat“) und Kriegstreiberei (etwa gegen den Irak, Libanon und aktuell Syrien) in der Region lassen die behauptete Vorbildlichkeit des Zionistenstaates eher als abgedroschenen Werbeslogan erscheinen.



Verweise:
http://icelandmag.visir.is/article/reykjavik-city-will-boycott-israeli-products
http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/Icelands-capital-votes-to-boycott-all-Israeli-products-416316
http://nsnbc.me/2015/09/17/icelands-capital-bans-all-israeli-made-products-over-occupation-of-palestinian-territories
http://www.timesofisrael.com/icelandic-capital-boycotts-israeli-goods

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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