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Flucht oder Sieg?

Russland beginnt Teilabzug aus Syrien

Mittwoch, 16 März 2016 12:41 geschrieben von 
Russische Suchoi Su-25 auf dem Flughafen Basil al-Assad in Latakia Russische Suchoi Su-25 auf dem Flughafen Basil al-Assad in Latakia

Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Montag während eines Treffens mit dem russischen Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu, für viele überraschenderweise, den beginnenden Abzug russischer Truppen aus Syrien angekündigt.

Als Begründung gab Putin an, Rußland sehe die Ziele, die es für die Mission in Syrien gesetzt habe, als zum großen Teil erreicht an. Aus diesem Grunde befehle er den Abzug des größten Teils der russischen Truppenverbände von dem Territorium der Arabischen Republik Syrien. Das Vorgehen sei mit Syriens Präsidenten Bashar al-Assad abgesprochen.
Putin führte weiterhin aus: „Ich hoffe, daß der Beschluß zum Truppenabzug allen Konfliktseiten ein wichtiges Signal sendet und zur friedlichen Beilegung des Konflikts beiträgt.“ Überdies erklärte er: „Innerhalb kürzester Zeit ist es Rußland gelungen, ein kleines aber effektives Militärkontingent auf die Beine zu stellen. Die effektive Arbeit unserer Streitkräfte hat es ermöglicht den Friedensprozeß in Gang zu setzen. Die russischen und syrischen Regierungstruppen haben im Kampf gegen den internationalen Terrorismus die [strategische] Situation verändert und die Initiative ergriffen.“
Zur Absicherung der Waffenruhe würde Moskau allerdings Khmeimim-Luftwaffenbasis in Latakia sowie den Marinestützpunkt in Tartus mit kleinen Militärkontingenten aufrechterhalten.
Die Debatte der geopolitischen Analysten dreht sich nun vorwiegend darum, ob Rußland diesen Schritt aus einer Position der Schwäche oder einer Position der Stärke geht. Zur Klärung dieser Frage dürfte die russische Behauptung des Erreichens der gesetzten Ziele ausschlaggebend sein. Der Autor dieser Zeilen tendiert zur Stärke-Erklärung. Tatsächlich ist der Islamische Staat zwar weiterhin existent, aus wichtigen Gebieten in Syrien allerdings verdrängt; die Truppen Assads sind auf dem Vormarsch. 
Von einem Fallenlassen Syriens kann zudem nicht die Rede sein. Der Abzug betrifft vor allem die Bodentruppen, Luftwaffe und Marine bleiben mit Basen vor Ort, welche jeweils schnell wieder ausgebaut werden können. Die strategischen Interessen Rußlands dürfen als vorerst gesichert gelten. Deutlich verbessert wird mit diesem diplomatischen Schritt, der großes Entgegenkommen und Friedenswillen dokumentiert, vor allem auch die Position Rußlands und Syriens am internationalen Verhandlungstisch.

Verweise:
http://edition.cnn.com/2016/03/14/world/russia-syria-withdrawal
https://deutsch.rt.com/russland/37297-ziel-erreicht-putin-befiehlt-abzug
http://www.fort-russ.com/2016/03/what-success-looks-like-when-withdrawal_14.html
http://thesaker.is/analysis-of-the-russian-military-pullout-from-syria

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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