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Noch mehr Chaos in Nahost

Saudi-geführte Koalition startet Luftschläge gegen Huthis

Freitag, 27 März 2015 07:15 geschrieben von 
Flagge der Luftwaffe Saudi Arabiens Flagge der Luftwaffe Saudi Arabiens Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Guilherme Paula | CC BY-SA 3.0

Aden - Neuer Tag, neuer Krieg, muß es mittlerweile leider fast heißen. Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Am Mittwoch hat Saudi-Arabien begonnen, mit Luftschlägen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Nordjemen vorzugehen. Dies gab Adel bin Achmed Al-Jubeir, der saudische Botschafter in den USA, bekannt. Gestützt werden dabei die jemenitischen Verbündeten der Saudis, der im Februar durch die Huthi gestürzte und mittlerweile von der südlichen Hafenstadt Aden aus agierende Ex-Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und diverse eher radikale sunnitische Milizen, welche zum großen Teil Al-Kaida nahestehen dürften. Dennoch veröffentlichten Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Kuweit eine gemeinsame Erklärung, nach welcher sie beschlossen hätten, „die Huthi-Milizen, Al-Kaida und ISIS im Land zurückzudrängen“. Es darf angenommen werden, daß Al-Kaida und ISIS hier eher als Schminke dienen, um die Angriffe gegen die Huthis besser zu verkaufen.

Nach Angaben des in Dubai (VAE) ansässigen, jedoch zum saudischen Konzern MBC gehörenden Senders Al-Arabiya wird Saudi-Arabien zur Offensive mit 100 Flugzeugen und 150.000 Soldaten beitragen. Die VAE, Bahrain, Kuweit, Katar und Jordanien werden sich ebenfalls mit Flugzeugen beteiligen, während Jordanien, Pakistan, der Sudan und Ägypten an den Bodenoperationen teilnehmen wollen. Auch Marokko soll Teil der Koalition sein. Botschafter Al-Jubeir zufolge sei die Kampagne gestartet worden, „um die legitime Regierung“ Hadis nach dessen Aufruf an die UNO zur Intervention „zu beschützen und zu verteidigen“. Das ägyptische Außenministerium gab bekannt, Kairo sei bereit, an Luft-, Wasser- und Bodenoperationen teilzunehmen, wenn nötig.

Interessant ist speziell die Beteiligung Ägyptens, trotz seiner eigenen Probleme mit sunnitischen Extremisten und der diplomatischen Bemühungen der Huthi, welche mehrfach verkündeten, Ägypten und seine Interessen achten zu wollen. Ist das der Preis für die finanzielle Unterstützung, welche die Golfmonarchien Ägypten u.a. beim Bau der geplanten neuen Hauptstadt gewähren wollen? Colportage hatte ja letztens schon vermutet, daß dies nicht allein aus „wahabitischer Nächstenliebe“ geschehe.

Die Huthi, welche zusammen mit den Truppen von Hadis Amtsvorgänger Ali Abdullah Salih den größten Teil der militärischen Infrastruktur des Landes kontrollieren, haben ihrerseits die saudischen Angriffe als Aggression bezeichnet und eine Belohnung von umgerechnet 100.000$ für die Gefangennahme des nach ihrer Darstellung flüchtigen Hadi ausgesetzt. Jen Psaki, Pressesprecherin des US State Department, bestätigte dies in gewisser Hinsicht: „Wir waren mit ihm heute, zu früherer Stunde, in Kontakt. Er ist nicht mehr in seiner Residenz."

Die USA haben mittlerweile ihre Unterstützung für die Kampagne Saudi-Arabiens verkündet, sie würden logistische und geheimdienstliche Hilfe gewähren, so das Weiße Haus. Nach Angaben US-amerikanischer Regierungsvertreter würde auch eine gemeinsame Planungszelle mit Saudi-Arabien eingerichtet, um die Luftschläge gegen die Huthis zu koordinieren.

Michael Lewis ist ein Professor der Rechtswissenschaften am Ohio Northern University College of Law, der sich u.a. mit der juristischen Rechtfertigung von Drohnenangriffen beschäftigt. Im Golfkrieg 1990-91 flog er Luftangriffe gegen den Irak, um saudisches Territorium zu schützen („Operation Desert Shield“) und zeichnete sich für die Planung der Luftschläge bei der Offensive „Operation Desert Storm“ verantwortlich. Hinsichtlich des Konflikts um den Jemen ließ er, bevor das Weiße Haus seine Beteiligung bestätigte, verlautbaren: „Es geht gänzlich um Sunni versus Schia, Saudi versus Iran. [Die USA] können kein uninteressierter Beobachter sein. Niemand wird das glauben. Was wir tun mußten, war, eine Seite zu wählen.“ Wie schon oft, haben sich die USA für die Unterstützung sunnitischer Extremisten entschieden.

 

Quellen:

http://www.nytimes.com/2015/03/26/world/middleeast/al-anad-air-base-houthis-yemen.html?_r=0
https://law.onu.edu/faculty_staff/faculty_staff_profiles/michael_w_lewis
http://rt.com/news/244117-saudi-arabia-bombs-yemen-houthis
http://www.theguardian.com/world/2015/mar/26/saudi-arabia-begins-airstrikes-against-houthi-in-yemen
http://www.thecairopost.com/news/143429/news/saudi-arabia-allies-launch-air-strikes-in-yemen-against-houthi-fighters

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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