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Nach langjährigem Boykott

SodaStream schließt Fabrik in der Westbank

Mittwoch, 09 September 2015 04:49 geschrieben von 
Sperranlage in der Nähe von jüdischen Siedlungen: an wenigen Stellen eine stärkere Sicherheitsbefestigung Sperranlage in der Nähe von jüdischen Siedlungen: an wenigen Stellen eine stärkere Sicherheitsbefestigung Quelle: commons.wikimedia.org | Photo: Soman | CC BY-SA 2.5

Tel Aviv - Soda Stream, der israelische Trinkwassersprudlerhersteller mit Hauptsitz in Tel Aviv, hat am Sonntag angekündigt, daß seine Produktionsstätte im Westjordanland in zwei Wochen geschlossen würde. Öffentlich erwogen hatte Firmenchef David Birnbaum eine mögliche Schließung bereits im August 2014, im Oktober wurde dann die geplante Verlegung ins südliche Israel bekanntgegeben. 
Angeführt wurden vorrangig finanzielle Gründe, allerdings dürfte auch eine langjährige Boykottkampagne eine Rolle gespielt haben. In der Firma waren sowohl Juden als auch Palästinenser beschäftigt. Die Kritik richtete sich hier allerdings weniger gegen die konkreten Produktionsbedingungen, als vielmehr gegen den Standort in den besetzten Gebieten als solchem, insbesondere, daß die dort hergestellten Produkte als „Made in Israel“ deklariert wurden.

 

David Birnbaum hatte selbst erklärt, der Boykott habe nur einen geringen Einfluß auf die Geschäfte von SodaStream und bezichtigte stattdessen die Bewegung „boycott, divestment and sanctions“ (BDS) des Antisemitismus. Der Generalkoordinator des „The Palestine Boycott National Committee“ (BNC), Mahmoud Nawajaa, wertete die Schließung als Erfolg der Bewegung darin, „Unternehmensverbrecher für ihre Rolle in Israels Apartheid und Kolonialismus zur Rechenschaft zu ziehen“ und verwies auf den rapiden Preisverfall der SodaStream-Produkte.

Ob SodaStream mit seinem Schritt einen weiteren Boykott vermeiden kann, ist fraglich. So erklärte Nawajaa: „Auch wenn diese Schließung vorangeht, wird SodaStream in die Verdrängung der Palästinenser verwickelt bleiben. Seine neue Lehavim-Fabrik liegt nahe bei Rahat, einer geplanten Siedlung in der Negev-Wüste, wo palästinensische Beduinen zwangsumgesiedelt werden. SodaStream, als ein Nutznießer dieses Plans, ist Komplize bei dieser Menschenrechtsverletzung.“

Verweise:

https://www.imemc.org/article/72917

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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