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Vereitelter Putsch in Venezuela

Sollte Präsident Nicolas Maduro gestürzt werden?

Sonntag, 15 Februar 2015 01:53 geschrieben von 
Nicolás Maduro Nicolás Maduro Quelle: de.wikipedia.org | CC BY 3.0 br

Berlin - Es ist noch gar nicht lange her. Erst am 2. Februar hatte Venezuelas Präsident Nicolas Maduro US-Vizepräsident Biden der Planung eines gegen ihn gerichteten Staatsstreichs bezichtigt, was Biden als „unbegründete Anschuldigung“ von sich gewiesen hatte.
Angesichts der jüngsten Geschehnisse erscheinen Maduros Worte jedoch in neuem Licht. Am Donnerstag hatte er auf Telesur English, dem englischsprachigen Kanal des venezolanischen Staatsfernsehens, bekannt gegeben, daß ein für den 13. Februar angedachter Putsch gegen ihn vereitelt worden sei. Die Pläne der Putschisten hätten seine Ermordung beinhaltet, die Verschwörer seien zudem in US-Dollars bezahlt worden. Auch Vorbereitungen zur Einsetzung einer de-facto-Regierung seien bereits getroffen worden, ebenso sei bereits ein Regierungsprogramm entworfen worden.

Berichten zufolge seien Bombenattentate u.a. im Präsidentenpalast, dem Verteidigungsministerium und der Fernsehstation von Telesur in Caracas geplant gewesen, neben dem Präsidenten sollten weitere hochrangige Regierungsvertreter getötet werden.
Die Putschisten sollen aus Militärkreisen stammen und sich in einem zur Veröffentlichung nach einem erfolgreichen Putsch aufgezeichneten Video maskiert gegen die Regierung ausgesprochen haben. Einer der Verdächtigen hätte Maduro zufolge bereits unter Beobachtung gestanden und sei bereits im Zusammenhang mit den gewalttätigen Demonstrationen letzten Jahres der Verschwörung gegen die Regierung verdächtigt, jedoch nicht angeklagt worden.

Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez versicherte via Twitter die Loyalität der venezolanischen Streitkräfte zur Regierung: „Die Bolivarianischen Nationalen Streitkräfte bleiben fest in ihren demokratischen Überzeugungen und lehnen Putschpläne, welche den Frieden in der Republik gefährden, ab.“ Maduro zufolge habe einer der Verdächtigen bereits für den Fall des Scheiterns des Putsches ein Visum für die USA erhalten haben. Auch sei ein Zusammenfallen mit einer Neuauflage der Demonstrationen vom Vorjahr geplant gewesen, ein gleichzeitiger Angriff auf die Wirtschaft des Landes und die Entfachung einer internationalen Debatte über eine angeblich humanitäre Krise sollen Bestandteil des Plans gewesen sein.

Bisher ist die Einschätzung des Geschehens weitgehend von offiziellen venezolanischen Quellen abhängig und daher zwangsläufig einseitig. Allerdings gibt es ein paar Faktoren, welche in diesem Zusammenhang merkwürdig erscheinen. Zum einen wäre da eine dringende Sicherheitswarnung, welche die deutsche Botschaft in Caracas am 5. Februar für sich in Venezuela aufhaltende Deutsche ausgegeben hatte. Unterzeichnet worden war das Dokument vom Geschäftsträger der Botschaft, Jörg Polster. Hatte die Botschaft Informationen über zu erwartende Unruhen?

Zudem hatte der im Ruhestand befindliche venezolanische General Angel Vivas in jüngster Zeit eine Reihe von YouTube-Videos veröffentlicht, in welchen er zur Bildung bewaffneter Widerstandsgruppen gegen die Regierung und zu einem „Krieg bis zum Tod“ aufruft. Ein von einer Gruppe namens „Operacion Libertad Venecuela“, welche sich ihrer Selbstbeschreibung auf facebook nach „gegen die kubanische/russische/iranische Invasion“ stellt, auf YouTube verbreitetes Vivas-Video, betitelt „El Líder eres Tú“ („Du bist der Führer) verweist im Begleittext auf ein Video von Gene Sharp, welcher mit seinen Werken als Chefideologe der sogenannten „Farbrevolutionen“ in Serbien, Georgien, der Ukraine, Weißrußland usw. gilt. Schließlich sei darauf hingewiesen, daß vor einigen Tagen drei namhafte venezolanische Oppositionsführer eine gemeinsame Erklärung abgaben, in welcher sie zum Regimewechsel und zur Bildung einer Übergangsregierung aufrufen. Wenn auch eine unmittelbare Verbindung zu den jüngst gescheiterten Putschisten bisher nicht belegbar ist, ist doch das zeitliche Zusammentreffen der verschiedenen Ereignisse recht auffällig.

 

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=PEipbicCCy0
http://venezuelanalysis.com/news/11199
http://venezuelanalysis.com/news/11207
http://venezuelanalysis.com/news/11205
http://www.washingtontimes.com/news/2015/feb/3/nicolas-maduro-venezuelas-president-i-accuse-us-vi
http://studentsforliberty.org/ukraine-venezuela
http://nsnbc.me/2015/02/14/assassination-coup-plot-venezuela-foiled-maduro

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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