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Integrative Alternativen für eine multipolare Welt

Spanien: Der Iberismus und andere Großraumideen

Dienstag, 13 Oktober 2015 06:49 geschrieben von 
Spanien: Der Iberismus und andere Großraumideen Quelle: tiempodehoy.com

Barcelona - Eine der wichtigsten Herrschaftsstrategien der Globalisten ist das alte „teile und herrsche“-Prinzip. Dies war in den neunziger Jahren mit der Zerstörung des jugoslawischen Staates zu sehen (Serben gegen Kroaten, Bosnier gegen Serben, etc.), und das sehen wir heute noch mit den stetigen, gezielt angeheizten Auseinandersetzungen in der arabisch-muslimischen Welt, zwischen Sunniten, Schiiten, Kurden usw.

Ein ähnlicher Fall ist, wie schon in anderen Artikeln dargestellt, Spanien, mit der seit 40 Jahren künstlich erzeugten Konfrontation zwischen katalanischen und baskischen Nationalisten gegenüber dem spanischen Zentralstaat.
Das Ziel der westlichen Machthaber, d.h. in erster Linie nicht „unserer Politiker“, sondern der hinter diesen stehenden Finanzmacht, ist es, zu verhindern, daß es zu großen geographischen Bündnissen (Kontinentalblöcken) kommt, daß sich verschiedene Großräume im Rahmen einer multipolaren Welt bilden. Der Westen will allen Völker der Erde seine eigene Weltanschauung, den „American way of life“, bzw. „die westliche Demokratie“ andrehen.

Als eine Art Gegenpol zu den separatistischen Bewegungen in Spanien ist in letzter Zeit eine geopolitische Strömung wiederbelebt worden: der Iberismus, der eine Wiedervereinigung zwischen Spanien und Portugal anstrebt. Interessanterweise stammt die neue Iberistische Partei (2010 gegründet) nicht aus dem größeren Spanien, sondern aus Portugal. 

Die Grenze zwischen beiden Ländern kennt man als „la Raya“ - „die Linie“ – („a Raia“ auf Portugiesisch). Es handelt sich dabei um 1200 Kilometer, die seit fast 750 Jahren Portugal vom Rest der Halbinsel trennen. Es ist eine der ältesten Grenzen in Europa, aber trotzdem eine der undichtesten.

Niemand kann die großen Ähnlichkeiten, die es zwischen Spanien und Portugal gibt, leugnen. Dies gilt für die Menschen, die Kultur und Geschichte, aber auch für Klima, Geographie und Fauna. Die galizische Sprache hat beispielsweise mehr Gemeinsamkeiten mit dem Portugiesischen als mit dem Spanischen (genauer: dem Kastilianischen). Im Mittelalter waren beide Sprachen eine einzige: „Galaicoportugués“.

Nach dem portugiesischen Restaurationskrieg von 1668 hat sich Portugal endgültig von Spanien dissoziert. Aber immer wieder tauchten auf der einen oder anderen Seite Gruppen auf, welche sich für eine Wiedervereinigung der iberischen Nationen positionierten - so wie heute das „Movimiento Partido Ibérico“. Der portugiesische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger José Saramago war einer der Unterstützter der Bewegung. Angestrebt wird eine enge politische und wirtschaftliche Kooperation sowie schließlich die Errichtung einer Iberischen Föderation.

Die Iberisten fördern eine Spanisch-Portugiesische Zentralbank und den Rücktritt aus dem Euro, sowie auch engere Beziehungen und diplomatische Bindungen zu Lateinamerika, welches einen Grpßteil seiner Wurzeln in Iberien hat.
Die Partei hat mehrere Hundert Mitglieder in Portugal, und auch in Spanien wächst die Zahl der Sympathisanten allmählich. Es ist nicht auszuschließen, daß es dort demnächst zur Gründung einer „Zwillingspartei“ der MPI kommt. 2009 fingen verschiedene Universitäten aus beiden Ländern an, eine jährliche Umfrage bezüglich einer hypothetischen Wiedervereinigung durchzuführen. Circa 30% der Spanier zeigten sich damals eindeutig dafür. In Portugal begrüßten sogar 39% die Befragten die Idee. Seit 2009 wächst die Zahl der Befürworter Jahr für Jahr.

Eine andere geointegrative Großraumidee ist der Hispanismus, der sich eher auf die kulturell-historische Bindung zwischen Spanien und Lateinamerika bezieht. Der Iberismus ist im Hispanismus enthalten. Beide sind geopolitische Strömungen, die große Ähnlichkeiten mit der aus Rußland stammende Eurasien-Idee haben, die in den letzten Jahren besonders der Moskauer Politologe und Philosoph Professor Alexander Dugin vertritt.

Auch die Ideologie des Panarabismus von Nasser und der Baath Partei kann hier erwähnt werden. In Syrien und im Libanon gibt es eine Partei, die Kawmi Suri (SSNP), die für die Vereinigung dieser beiden Länder arbeitet, denn nach Meinung der pansyrischen Bewegung, sind die Grenzen zwischen den Staaten des Mittleren Ostens künstlich und nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches von den westlichen Imperialisten bestimmt worden. So, wie der Iberismus im Hispanismus enthalten ist, so ist auch der Pansyrianismus im Panarabismus inhärent.

Hispanismus, Eurasismus oder Panarabismus sind kontinentale Großraumideen, die natürliche Bündnisse zwischen den Völker anstreben, zwischen Ländern, die eine ähnliche Geschichte und Kultur haben. Im Vergleich dazu ist die „EU“ ein artifizielles Konstrukt, welches sich lediglich auf wirtschaftlich-merkantilistische Interessen gründet.

 

Verweise:

http://www.tiempodehoy.com/espana/un-partido-portugues-resucita-el-iberismo
http://www.europapress.es/internacional/noticia-crece-apoyo-union-espana-portugal-ambos-paises-20110405175125.html

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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