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Dreierlei Professuren

Streifzug durch das gegenwärtige Bildungswesen

Samstag, 20 Juni 2015 17:25 geschrieben von 
Claus Kleber Claus Kleber Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Olaf Kosinsky | CC BY 3.0

Berlin - Seit Beginn des Sommersemesters 2015 ziert sich das Institut für Medienwissenschaften der Universität Tübingen mit einem... hm... sagen wir: „Star“ der durch Zwangsabgaben finanzierten öffentlich-rechtlichen Medienwelt, und zwar Claus Kleber. Dieser Mann, hauptverantwortlich für öffentlich-rechtliche Kriegstreiberei und eindeutiger und böswilliger Falschübersetzungen von Putin-Reden überführt, hat tatsächlich eine Ehrenprofessur erhalten. Warum auch nicht? Seine 600.000 € Jahresgehalt aus der Gebührenfinanzierung oder, wie sein Kollege Jörg Schönenborn uns selbstgefällig erklärte, der „Demokratieabgabe“ sind sicher schnell aufgebraucht.

So klebt also in Tübingen das engagierte Mitglied der Atlantik-Brücke. Am 2. Juni hat er in der gut gefüllten Aula seine Antrittsvorlesung gehalten, wo er sich, wie von seinen Auftritten im ZDF hinlänglich gewohnt, unter anderem der eintönigen Wiederholung transatlantischer Propaganda hingegeben hat. So weit, so schlecht. Schockierender hingegen, daß aus dem Publikum keine Proteste kamen. Keine Eierwürfe, keine kritischen Zwischenrufe. Sind da überhaupt noch Gehirne zum Waschen vorhanden? Er wird nun also „regelmäßig Lehrveranstaltungen zu journalistischen Themen und der Berufspraxis in Film und Fernsehen“ abhalten und, soviel ist sicher, fleißig zur Dressur unkritischer Medienhürchen beitragen.

Ein weiterer alter Bekannter, der Schulabbrecher und Mitverantwortliche des NATO-Angriffskriegs gegen Serbien, Joseph Fischer, hatte bereits 2006 eine einjährige Gastprofessur für internationale Wirtschaftspolitik an der Princeton University erhalten. Nach oder neben Tätigkeiten für Goldmann Sachs, den (von ihm gegründeten und von George Soros finanzierten) European Council on Foreign Relations, die Süddeutsche Zeitung oder den World Jewish Congress, zieht es ihn nun erneut ins Verbildungswesen.

Wie der Stern berichtete, geht es erneut um eine Gastprofessur in den USA, wobei noch unklar ist, ob Harvard oder Princeton Ort seines Wirkens werden soll. Auf seinem Weg vom kommunistischen Schläger zum Verfechter von Angriffskriegen ist er sich zumindest in einer Sache treu geblieben: dem Einsatz brutaler Gewalt unter verlogenen moralischen Rechtfertigungen. Ob dies der Geist ist, den er seinen Studenten vermitteln wird?

Um, der Dreiheit willen, ein weiteres Kaninchen aus dem Hut zu zaubern, welches in Wahrheit eigentlich selbst ein Hut ist, nämlich ein alter, sei exemplarisch noch auf Lann Hornscheidt verwiesen. Dieses lehrt Gender Studies an der einst zu Recht weltweit berühmten Berliner Humboldt-Universität. Auf der Homepage des Instituts erfährt der sich überfahren und irgendwie geistig vergewaltigt fühlende Leser: „Wenn Sie mit Profx. Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, achten Sie bitte darauf, geschlechtsneutrale Anreden zu verwenden. Bitte vermeiden Sie alle zweigendernden Ansprachen wie "Herr ___", "Frau ___", "Lieber ___", oder "Liebe ___". Eine mögliche Formulierung wäre dann z. B. "Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt". Andere Möglichkeiten werden auf der persönlichen Homepage erwähnt.“

Und was ist nun der rote Faden zwischen den Gestalten Kleber, Fischer und Hornscheidt? Es zeigt an, wie sehr das westliche Bildungssystem auf den Hund gekommen ist, und zwar auf einen überaus tollwütigen Straßenköter. Mit solchen Vorgaben auf der obersten Ebene des Bildungswesens dürften auf dem Katzentisch irgendwann nichtmal mehr Krümel landen. Wer die in seinen Kindern oder sich selbst vorhandene Intelligenz sinnvoll nutzen will, sollte sich auf keinen Fall allein auf die staatlichen Angebote verlassen.

 

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=6i9TwD_q6lk&t=22m28s
https://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/institut-fuer-medienwissenschaft/personen/kleber-claus-prof-dr.html
http://www.neopresse.com/medien/zdf-claus-kleber-verfaelscht-putin-zitate
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/fischer-in-princeton-professor-joschka-erklaert-die-welt-a-444473.html
http://www.stern.de/politik/deutschland/harvard-oder-princeton--joschka-fischer-will-professor-werden-3500130.html
https://www.gender.hu-berlin.de/de/zentrum/personen/ma/1682130
http://www.lannhornscheidt.com

Letzte Änderung am Samstag, 20 Juni 2015 17:34
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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