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„Deutschland ist ein modernes Einwanderungsland“

Thomas de Maizière fordert Zuwanderungsmarketing

Mittwoch, 15 April 2015 15:18 geschrieben von 
Thomas de Maizière - Bundesminister des Innern Thomas de Maizière - Bundesminister des Innern Quelle: Screenshot / bundesregierung.de

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach sich auf der Fachkonferenz  „Zuwanderung nach Deutschland – Einwanderungsland Bundesrepublik“ in Berlin gegen ein Zuwanderungsgesetz aus. Deutschland benötige stattdessen ein Zuwanderungsmarketing.

Deutschland brauche einerseits ausländische Fachkräfte für seinen Arbeitsmarkt, begegne andererseits jedoch den ins Land strömenden Asylanten mit Argwohn und Misstrauen, so der Bundesinnenminister. Deutschland müsse vermehrt innerhalb der Europäischer Union um Arbeiter werben, forderte er vor Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Vertretern. „Mit rechtlichen Änderungen, auch mit Vereinfachungen, wird es uns nicht gelingen, wesentlich mehr Fachkräfte und Hochqualifizierte in unser Land zu bringen“, erklärte der CDU-Politiker. Die ausländischen Fachkräfte stünden nicht Schlange, um nach Deutschland zu kommen. Diese müssten vielmehr gezielt geworben werden. Dazu zähle auch, das Interesse an der deutschen Sprache im Ausland zu wecken und in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und Wissenschaft mehr Anreize, wie etwa Stipendien, zu schaffen. „Wir müssen da gezielt Werbung machen für unser Land, wo wir wollen, dass Menschen zu uns kommen.“

Aktuell sieht die Lage in Deutschland ungünstig aus: Zwar ist die Zuwanderung ins Land auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten und auch der Bedarf an ausländischen Arbeitskräften hoch, jedoch zeigt sich schon jetzt, dass die Zuwanderer, die derzeit ins Land reisen, wenig beitragen werden, um unseren Fachkräftemangel zu entlasten. Experten gehen davon aus, der Großteil der Zugewanderten werde nicht dauerhaft im Land bleiben, sondern warte nur ab, bis sich die wirtschaftliche Lage in seinen Heimatländern stabilisiert hat.

Deutschland sei, so de Maizière, längst ein modernes Einwanderungsland. „Das Ob ist längst entschieden“, betonte er. „Viel interessanter ist die Frage nach dem Wie.“

De Maizière widerspricht jedoch der Ansicht der SPD, die ein Einwanderungsgesetz für zielführend hält. Er bezeichnete es als „typisch deutsch“, alles mit Hilfe von Gesetzen regeln zu wollen. Damit erreiche man das eigentliche Ziel jedoch nicht. „Wir brauchen ein Zuwanderungsmarketing“, so der Bundesinnenminister. Der Schlüssel zum Erfolg sei das gezielte Werben im Ausland, wobei vor allem die Wirtschaft gefragt sei.

Auf die Asylproblematik angesprochen, wich der CDU-Politiker den drängenden Fragen aus und konzentrierte sich stattdessen darauf, die zunehmende Fremdenfeindlichkeit im Land zu kritisieren: „Es sind Hemmschwellen eingerissen. Es ist ein Klima von Maßlosigkeit und zum Teil von Hass in die Debatte eingezogen“, so de Maizière. Diesem neuen Klima müsse sich Deutschland stellen, denn es sei immerhin auch ein Signal ans Ausland. „Wir können das nicht totschweigen.“

Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, forderte deshalb nicht nur eine Imagekampagne für das Ausland, sondern auch eine für das Inland. „Wir müssen klar machen, dass durch die Zuwanderung keinem etwas weggenommen wird.“

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Dirk Schneider

Dirk Schneider (Jahrgang 1969) ist Oberst a.D. und absoluter Kenner in Sachen "Informationsgewinnung vom und über den Feind".

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