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Neue Ideen aus Ankara

Tourismus für den Terrorismus

Freitag, 22 Januar 2016 22:29 geschrieben von 
der türkische Tourismusminister Mahir Ünal der türkische Tourismusminister Mahir Ünal

Ankara - Deutschland war bislang die Hauptquelle des in die Türkei fließenden Touristenstroms, mit Rußland an zweiter Stelle. Doch durch Ankaras geopolitische Abenteuer und den damit zusammenhängenden Terrorismus ist die Tourismusindustrie bedroht.

Am 12. Januar war es, als ein Terroranschlag in Istanbul, nahe der wichtigen Sehenswürdigkeiten Hagia Sophia und der Blauen Moschee zehn deutsche Touristen das Leben kostete. Zuletzt hatte Deutschland 15,5 % oder 5,4 Millionen der in die Türkei reisenden Touristen gestellt, doch unter dem Eindruck der Terrorgefahr ist ein deutlicher Rückgang wahrscheinlich, auch wenn Tourismusminister Mahir Ünal verkündete, daß Istanbul einer der sichersten Orte in der Welt sei, die Touristengebiete sicher seien und alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden seien.
Auch mit der zweitwichtigsten Touristengruppe, den Russen, hat die Türkei es sich schwer gemacht, als sie am 24. November über syrischem Luftraum die russische Sukhoi Su-24 abschoß und sich anschließend auf diplomatischer Ebene alles andere als diplomatisch gab.

Nun hat Ankara eine besondere Maßnahme zur Rettung seines Tourismussektors beschlossen. Mahir Ünal erklärte gegenüber der Presse, daß Fluggesellschaften zu Beginn der Saison im April und Mai je Flug nach Antalya, Alanya, Dalaman, Bodrum und Izmir 6000 Dollar staatlicher Subventionen für Treibstoffkosten erhalten sollen.
Die Maßnahme ist nicht ganz ohne Beigeschmack, denn zum einen fördert die Türkei diverse terroristische Gruppen, die ja nicht schuldlos am Rückgang des Tourismus sind, etwa al-Nusra in Syrien, zum anderen, was der eigentliche Witz dabei ist, ist sie Hauptabnehmer des durch den „Islamischen Staat“ von Syrien gestohlenen Öls.
Der Verkauf gestohlenen syrischen Öls war deutlich gestiegen, seit die EU im April 2013 das Embargo für syrisches Öl aus von „Rebellen“ (also Terroristen) kontrollierten Gebieten aufgehoben hatte. Ein Teil dieses Öls wird direkt durch den IS von Syrien in die Türkei gebracht, ein anderer Teil wird zuvor in den Kurdengebieten des Nordirak „gewaschen“ und umgetauft als „nordirakisches Öl“ gehandelt. Im Jahr 2014 soll sich dementsprechend der Verkauf „nordirakischen Öls“ über die Türkei bereits verdoppelt haben.
Mit der neuesten Maßnahme des türkischen Tourismusministeriums läßt sich eindeutig feststellen: durch Förderung des Terrorismus sollen die durch Förderung des Terrorismus entstandenen Schäden begrenzt werden.

 

Verweise:

http://nsnbc.me/2016/01/21/following-terror-attack-turkey-tries-to-boost-tourism-with-fuel-subsidies
http://nsnbc.me/2014/09/06/fool-twice-eus-turkeys-lies-buying-oil-isis
http://nsnbc.me/2014/07/16/northern-iraq-increases-oil-export-turkey
http://nsnbc.me/2013/10/29/atlantic-council-energy-summit-in-istanbul-and-regional-balkanization

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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