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Sigmar Al Saud und seine Freunde

Tugendwächter und Todeshändler

Sonntag, 23 August 2015 21:58 geschrieben von 
Hieronymus Cock (1510-1570) nach Pieter Brueghel „Eine der Sieben Todsünden: Hochmut“ Hieronymus Cock (1510-1570) nach Pieter Brueghel „Eine der Sieben Todsünden: Hochmut“ Quelle: de.wikipedia.org

Berlin - Eins vorweg: nichts in diesem Artikel ist neu. Es geht um Dinge, die schon gesagt wurden - die aber immer und immer wieder gesagt werden müssen. Letztlich vor allem darum, daß Gutmenschen nicht auch gute Menschen sind und darum, daß man, wenn der Teufel den Zeigefinger erhebt, besser kraftvoll hineinbeißen sollte, als sich von dem alten Höllenfürsten schulmeistern zu lassen.

Es ist ein paar Tage her, da hat ein Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Waffenexporte an Saudi-Arabien abgelehnt. Mit Recht. Saudi-Arabien ist vermutlich derzeit das finsterste Regime der Welt. Die Todesstrafe wird ähnlich umfangreich und grausam praktiziert wie beim CIA-türkisch-saudisch-israelischen Joint Venture „Islamischer Staat“, südostasiatische Gastarbeiter werden als Sklaven gehalten. Der tatsächliche Volksaufstand in Bahrain wurde von saudischen Panzern niedergewalzt, ohne daß der Westen eine „humanitäre Intervention“ verlangt hätte, in Syrien und dem Jemen führt der Terrorstaat einen Krieg gegen die Einheimischen, hier als „Bürgerkrieg“ getarnt, dort als offene Militärintervention zur Wiedereinsetzung der durch die schiitischen Huthi gestürzten pro-saudischen Regierung.

Die einstigen Worte Sigmar Gabriels sind das eine - die Zahlen sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Tatsächlich gehen die Geschäfte mit den Saudis, Katar und ähnlich fragwürdigen Staaten unverändert weiter. Laut Spiegel Online haben sich die Rüstungsexporte in die arabischen Länder insgesamt seit 2014 mehr als verdoppelt, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wären es mehr gewesen, als im gesamten Vorjahr. Und nein, diese arabischen Länder sind nicht gerade Syrien oder andere gemäßigte Staaten. Zumindest der Anteil an der gegenwärtigen Einwanderung nach Europa, welcher aus wirklichen Kriegsflüchtlingen besteht, ist nicht zuletzt Folge des saudischen und westlichen Terrorkriegs gegen unbotmäßige Staaten.

Sigmar Gabriel hat sich mit seinen Waffendeals mit Saudi-Arabien zum Erfüllungsgehilfen der saudischen Mordmaschine gemacht und erhebt nun aber den moralischen Zeigefinger gegen Kritiker der Masseneinwanderung. Es ist schon auffällig: die Befürworter von Angriffskriegen und Waffenexporten sind allgemein nicht selten die gleichen, die auch Masseneinwanderung nach Deutschland propagieren. Die grundsätzlich antideutschen Grünen haben spätestens seit Jugoslawien 1999 den Pazifismus entsorgt und werden unter anderem auch schonmal von der Rüstungslobby gesponsort und auch der unvermeidliche und sehr brave Til Schweiger sprach sich für Auslandseinsätze der Bundeswehr aus.

Eine wesentliche Mitschuld deutscher Politiker, Kapitalisten und kriegstreibenden Journalisten an den Verheerungen in aller Welt besteht also durchaus. Wie allerdings diese Personen es begründen, daß für ihre Verbrechen deshalb das Volk, welches diese Kriege größtenteils ablehnt, mit seiner Selbstaufgabe zu sühnen habe, bedarf wohl einer höheren Phantasie - oder des Hinweises auf die Netzwerke ihrer transatlantischen Auftraggeber, welche sowohl die Hauptprofiteure der meisten Kriege sind als auch offen erklärt haben, ein Interesse an der Destabilisierung des als Kolonie betrachteten Europas durch Masseneinwanderung zu haben (verwiesen sei insbesondere auf den Geostrategen Thomas Barnett). Verursacher und Nutznießer von Kriegen und Massenmigration sind identisch, Opfer die Völker hier wie dort.

Die UN- „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes" von 1948 definiert übrigens Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

  1. das Töten von Angehörigen der Gruppe
  2. das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe
  3. die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen 
  4. die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung
  5. die zwangsweise Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe“

Dafür ist die physische Tötung einer Vielzahl von Individuen keinesfalls erforderlich. Warum das hier steht? Es darf selbst gedacht werden.

Abschließend sei noch Arnold Gehlens „Moral und Hypermoral" zitiert: „Und zuletzt: teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben. Das geht über die Demütigung der geistigen Abtrennung noch hinaus, dann wird das Reich der verkehrten Welt aufgerichtet, und der Antichrist trägt die Maske des Erlösers, wie auf Signorellis Fresco in Orvieto. Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten.“

Den Tugendwächtern wäre zu raten, den erhobenen Finger zu senken und sich zu schämen - wenn sie denn nur Schamgefühl hätten... Selbstgefälligkeit ist dafür leider ein dürftiger Ersatz.

 

Verweise:

http://aufschrei-waffenhandel.de/Saudi-Arabien.177.0.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-ruestungsexporte-auf-rekordkurs-a-1047172.html
http://www.rtdeutsch.com/8843/inland/politische-kaeuflichkeit-3-0-deutsche-waffenindustrie-ueberweist-100-000-euro-an-die-gruenen

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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