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Krieg in Syrien

UN-Berichte beleuchten Zusammenarbeit zwischen israelischer Armee und Islamisten

Donnerstag, 08 Januar 2015 23:07 geschrieben von 

Berlin - Einem renommierten israelischen Blatt ist es nicht entgangen. In erfreulicher Klarheit berichtete bereits im Dezember 2014 die als liberal, säkular und oft regierungskritisch geltende Zeitung Haaretz über einen mittlerweile von UN-Beobachtern selbst offengelegten handfesten Skandal. Für Leser alternativer Medien und Kenner geopolitischer Zusammenhänge ist dies freilich nichts Neues, doch das Auftauchen unbequemer Fakten in eher dem Mainstream zugehörigen Medien verdient immer Beachtung.
In den letzten 18 Monaten haben UN-Beobachter auf den Golanhöhen Beweise für eine regelmäßige und umfangreiche Zusammenarbeit zwischen israelischen Streitkräften und im Kampf gegen die Regierung Assads stehenden islamischen Extremisten gesammelt und diese nun den 15 Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates vorgelegt.

 

Im März 2013 hatte Israel zwar bereits zugegeben, Verletzten aus Syrien medizinische Hilfe zu gewähren, behauptete indes, es handele sich lediglich um Zivilisten; die Vorwürfe Syriens, bewaffnete Regierungsgegner zu versorgen, wies es zurück. Die UN-Berichte erhärten allerdings nun die syrische Darstellung.

So sei nach einem Bericht vom 3.12.2013 am 15. September eine verwundete Person „von bewaffneten Mitgliedern der Opposition über die Waffenstillstandslinie gebracht worden, wo sie in ein ziviles Rettungsfahrzeug verlegt wurde, begleitet von einem Fahrzeug der IDF“. Vom 9. bis 19. November hätte die UNDOF mindestens 10 Transporte von Verwundeten durch bewaffnete Mitglieder der Opposition über die Waffenstillstandslinie zur israelischen Armee beobachtet. Weitere Berichte enthielten ähnliche Beispiele.

Über den Verwundetentransport hinaus seien jedoch andere Formen der Zusammenarbeit beobachtet worden, so hätten israelische Soldaten zwei Kisten an bewaffnete Assad-Gegner übergeben. Auch sei nicht nur Verwundeten, sondern auch unversehrten Kämpfern das Betreten israelischen Territoriums gestattet worden. Ein nahe der israelischen Grenze laut UN-Berichten für über 70 Familien syrischer Deserteure errichtetes Zeltlager sei der Darstellung in einem Beschwerdebrief der regulären syrischen Armee an die UN-Beobachter nach eine Basis für bewaffnete Terroristen, welche die Grenze zu Israel überschritten. Sollte die UN das Lager nicht räumen, würde die syrische Armee es als legitimes Ziel betrachten, heißt es weiterhin.

Die International Business Times, laut der US-amerikanischen Agentur für internetbezogene Strukturdaten, Alexa, die am dritthäufigsten besuchte Wirtschaftsnachrichtenseite, berichtete ergänzend über im November 2014 erfolgte Proteste von Drusen in Israel gegen die medizinische Versorgung von Verwundeten der Al-Kaida-nahen al-Nusra-Front in Israel. Eine Erklärung der Gruppe bezichtigte die israelische Regierung der Unterstützung radikaler sunnitischer Gruppen, einschließlich ISIS.

Auf die Frage von i24News, ob Israel Mitgliedern von al-Nusra und Daesh (ISIS) medizinische Hilfe gewährt habe, habe ein Sprecher des israelischen Militärs geantwortet: „In den letzten zwei Jahren waren die israelischen Selbstverteidigungskräfte an humanitärer, lebensrettender Hilfe für verwundete Syrer beteiligt, ungeachtet ihrer Identität.“

 

Quellen:

http://www.haaretz.com/mobile/.premium-1.630359?v=4AC46632C7C0D296D80E936AFCEA3D59
http://www.ibtimes.co.in/un-report-israel-regular-contact-syrian-rebels-including-isis-616404
http://www.i24news.tv/en/news/international/middle-east/53651-141207-regular-contact-between-israel-and-syrian-rebels-un-report

Letzte Änderung am Donnerstag, 08 Januar 2015 23:09
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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