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Lagerübergreifende Initiative Maduros

Venezuela bildet Nationalen Rat für Produktive Wirtschaft

Samstag, 06 Februar 2016 06:38 geschrieben von 
Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro

Caracas - Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro hatte am Dienstag, dem 19. Januar, die Gründung des „Nationalen Rates für Produktive Wirtschaft“ angekündigt. Dabei handelt es sich um ein vielfältiges Organ, bestehend aus Ministern, privaten Unternehmern, Gouverneuren, Bürgermeistern, Wissenschaftlern und Vertretern der Basis. Sie wurden damit beauftragt, gemeinsam Lösungen für die tiefe wirtschaftlichen Krise des Landes zu finden.

Laut Maduro hat die 45-Personen-Kommission angesichts der kollabierenden globalen Ölpreise, die die internationalen Währungsreserven des südamerikanischen Landes verwüstet haben, die Aufgabe, "der Krise zu begegnen und Antworten zur Entwicklung der Produktivkräfte zu entwickeln".
Zu diesem Zweck besteht der Rat aus neun Arbeitsgruppen oder "Motoren", die sich den verschiedenen Bereichen der venezolanischen Wirtschaft widmen werden; darunter Öl und Gas, Petrochemie, Nahrungsmittel und Landwirtschaft, Information und Telekommunikation, Bau, Industrie, Militär-Industrie, Tourismus und Bergbau.
Unter den Mitgliedern sind führende Persönlichkeiten aus Venezuelas privatem Sektor, darunter Vertreter der leistungsstarken Business-Lobbies wie der Föderation der Agrarerzeugervereinigungen (FEDEAGRO), eine lange Zeit Gegner der Saatgutvorschriften der Regierung. Auch mit am Tisch sitzen Oswaldo Cisneros von der „Cisneros Group“ Telekommunikationskonglomerat; Alberto Vollmer vom „Santa Teresa“ Rum-Imperium, der Baumogul Luis Van Dam und Passam Yusef, Präsident der Firma „Siragon“, zuständig für Informationstechnologie.
Der Rat besteht zusätzlich aus den Präsidenten der Regionen Aragua, Tachira und Lara sowie aus den Leitern der Zentralbank und des staatlichen Unternehmens „Guyana Corporation“ und dem Chef der Telefongesellschaft CANTV.
Der Gouverneur vom Staat Lara, der oppositionelle Henry Falcón, verteidigte seine Teilnahme an der Kommission, nachdem ihm Parteimitglieder vorwarfen, "die Seiten gewechselt" zu haben.
"Dies sind Zeiten, wo man die ideologische Rhetorik beiseite lassen sollte, um die Suche nach wirklichen Lösungen für die Probleme der Venezolaner zu priorisieren!" erklärte der Politiker über seinen Twitter-Account.
Zu den weiteren Mitglieder des Rates gehören Wills Rangel von der Vereinigten Ölarbeiter-Föderation sowie Vertreter der kommunalen Firmen, wie der "Hugo Chávez Direkt Soziale Unternehmen" und der "Integralen Produzenten des Páramo".
Beim ersten Treffen sitzen gemeinsam im Vorstand der Exekutive Vizepresident Aristóbulo Istúriz und der Vizepräsident für Wirtschaft, Luis Salas. Beide haben ihre Posten angenommen, nachdem Präsident Maduro sein Kabinett Anfang Januar neugeformt hatte.
Das neue Gremium ist verantwortlich für die Ankurbelung der Produktion unter den herrschenden schwierigen Bedingungen. Die ölabhängige Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr um 10% und wird angesichts der niedrigen Ölpreise voraussichtlich weiter schrumpfen.

Frei nach Lucas Koerners Artikel auf Venezuelananalysis vom 21. Januar:
http://venezuelanalysis.com/news/11827

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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