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Linke gegen „Refugees“

Von der Wagenburg nach Idomeni

Montag, 04 April 2016 19:49 geschrieben von 

Berlin - Es war in den letzten Märztagen, wir konnten in unserer Redaktionsstube erstmalig unseren kalten Kaffee statt von der Mikrowelle durch die Frühlingssonne erwärmen lassen, als die Nachricht hereintrudelte, linksradikale Bewohner einer Wagenburg namens "Radikal Queerer Wagenplatz Kanal" in Berlin-Neukölln hätten seit kurzem irgendwie etwas gegen „Flüchtlinge“.

Dabei handelt es sich bei den Bewohnern dieser Wagenburg nicht etwa um etwas weltfremde Hippies der alten Schule, welche vielleicht die Thematik noch nicht ausreichend verinnerlicht hätten, sondern um ganz moderne superemanzipatorische Neuzeitlinke, mit besonderer Vorliebe für die Nutzung spiralförmig gegenderter Sprachblasphemien. Vor allem wird der Einsatz gegen Alltagsrassismus oder Transphobie und für „Geflüchtete“, Queers, Karteileichenschänder usw.  betont, eben die ganzen vielfach diskriminierten Minderheiten.

Nun hat der Berliner Senat sich überlegt, daß man diesen freundlichen Menschen dafür doch auch mal eine Freude machen könnte und sie mit einer Asylbewerberunterkunft bereichern. 20 Menschen leben dort, sie sollen nicht unbedingt weg, sondern etwas zusammenrücken und es sich mit 500 von denen, für die sie sich so leidenschaftlich einsetzen, gemütlich machen.

Merkwürdigerweise zeigen die Wagenburgbewohner jedoch keine Dankbarkeit, sondern stellen sich que(e)r und lamentieren: „Auch uns soll nun genau der Raum genommen werden, in dem wir gemeinnützige politische Arbeit machen – in dem wir Workshops und Empowerment für mehrfach diskriminierte Personengruppen anbieten – queere Schwarze Menschen, PoC, Migrant_innen, Refugees und Rom_nja.“
Befürchtet wird seitens der Bewohner des weitgehend staatlich finanzierten Wagenburgprojekts eine Zunahme staatlicher Kontrolle, wenn man sich den Platz mit den „Geflüchteten“ teilen müsse. Bösartige Stimmen sprechen auch davon, daß die Linken sich um ihre Privilegien sorgen würden. Entsprechend äußerte sich unter anderem Gerrit Kringel, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, gegenüber der „Welt“: "Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen den roten Teppich auskehren, aber protestieren, wenn es vor der eigenen Haustür geschieht, ist mehr als bedenklich." Zudem sei der Verein "bisher nicht ansatzweise durch soziale Tätigkeit aufgefallen".
Das Engagement der Bewohner der Wagenburg hatte in gewisser Weise anachronistisch (denn da war uns dieses Phänomen der linken Refugeefeindlichkeit noch nicht bekannt) im Februar bereits zu einer Demonstration von etwa 150 Linksextremisten gegen die geplante Asylunterkunft geführt. Logisch, man kann sich schließlich nicht gleichzeitig „für Flüchtlinge“ engagieren und dann auch noch mit ihnen zusammenleben müssen, das sollen schließlich die, welche es sowieso nicht wollen und deshalb auch versäumt haben, sich ausreichend gegen Rassismus zu engagieren.

Einer, den man zumindest geistig für einen der Bewohner dieser Wagenburg halten könnte, nämlich der einstige kohlsche Minister Norbert Blümchen (oder so ähnlich, nicht zu verwechseln mit dem Girlie-Techno-Pop-Star), hatte kürzlich seine Villa vorübergehend verlassen, um in einem Camp im nordgriechischen Idomeni medienwirksam in einem Zelt übernachtend den „Flüchtling“ zu mimen.

Als Tribut an diesen lustigen Politdarsteller hatte sich in Folge ein linksradikales „Kommando Norbert Blüm“ gebildet, um „Flüchtlinge“ zu einer illegalen Überquerung der Grenze nach Mazedonien zu überreden. Medienwirksam, sogar medienwirksamer als Blümchen, hatte man eine besonders wilde Stelle eines wilden Flusses gewählt, um dort (Kamerateams waren geschickt positioniert worden), die „Refugees“ über eben diesen Fluß zu schleusen, was zu drei Toten führte (natürlich auf Seiten der „Flüchtlinge“, nicht unter den Medienvertretern oder den Linken). Falls das jemanden erstaunen sollte, liegt der Denkfehler bei ihm: daß kein Mensch illegal ist, heißt nicht, daß sein Leben deshalb gleich irgendeinen Wert hätte. Wo kämen wir da hin!

Was läßt sich nun als Quintessenz aus dieser kleinen, groben Darstellung gewinnen? Vielleicht am ehesten jene, daß es den militanten Gutmenschen niemals um das Wohl von Menschen geht, auch wenn sie noch so sehr behaupten, sich für diese einzusetzen, sondern daß es sich um ideologische Fanatiker handelt, welche in der Tradition des von Leo Trotzki, Georg Lukacs und der „Frankfurter Schule“ geprägte Kulturmarxismus Minderheiten, sogenannte „Opfergruppen“, benutzen, um unter dem Vorwand, deren Situation verbessern zu wollen, den Krieg in die gewachsenen Gemeinschaften tragen, den Krieg gegen die Familien, die Religionen, die Völker. Das läßt sich am Beispiel der Lobbyarbeit für „sexuelle Minderheiten" gegen die traditionelle Familie ebenso gut belegen wie am Beispiel der gegen einheimische Deutsche in Stellung gebrachten Zuwanderer.

Verweise:
https://kanal.squat.net
http://www.bz-berlin.de/berlin/neukoelln/wagenburgler-wehren-sich-gegen-fluechtlinge-auf-ihrem-areal
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2016/linksextremisten-demonstrieren-gegen-asylheim
http://www.freiewelt.net/blog/fluechtlingshelfer-gehen-in-idomeni-ueber-leichen-10065956
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/wie-sich-linke-aussteiger-gegen-fluechtlinge-wehren/story/27062963
http://www.welt.de/politik/deutschland/article153728556/Linke-Wagenburgler-koennen-richtig-spiessig-sein.html

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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