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Hoher Besuch aus den USA

Yingluck Shinawatra erhält Unterstützung vom State Department

Freitag, 30 Januar 2015 21:32 geschrieben von 
U.S. State Department U.S. State Department Quelle: en.wikipedia.org | Foto: AgnosticPreachersKid | CC BY-SA 3.0

Bangkok - Yingluck Shinawatra war im Mai 2014 vom Verfassungsgericht Thailands wegen Amtsmißbrauchs ihres Amtes als Premierministerin enthoben worden. Im Grunde hatte sie das Land als Stellvertreterin ihres ins Exil gegangenen Bruders Thaksin Shinawatra regiert, was dieser in einem Artikel für das Wall Street Journal mit „power in Thailand comes via skype“ auch großsprecherisch zugegeben hatte. Yinglucks Pheu-Thai-Partei war sogar mit Slogans wie „Thaksin denkt, Pheu Thai macht“ auf Stimmenfang gegangen.

Der Amtsenthebung vorausgegangen waren monatelange Proteste gegen die Politik ihrer Regierung, nicht zuletzt die desaströse Entwicklung der Landwirtschaft. Korruption und Mißwirtschaft führten dazu, daß einerseits in gewaltigem Umfang Reis geschmuggelt wurde, und andererseits riesige Mengen des Getreides in Lagerhallen verrotteten. Lange schon war der Reisanbau staatlich gefördert worden, die Shinawatras hatten die Zuschüsse massiv zum Stimmenkauf verwendet, was ihnen bei Teilen der ländlichen Bevölkerung zu Popularität verhalf, letztlich verarmten indes viele Reisbauern, es gab regelrechte Selbstmordwellen. 
Dazu kamen zunehmende terroristische Akte von Anhängern ihrer Pheu-Thai-Partei, Rothemden und bewaffneten Schwarzhemden, gegen Demonstranten, was zu durchaus bürgerkriegsähnlichen Zuständen führte.

Auch Thaksin war seinerzeit (2006) bereits wegen Amtsmißbrauchs entmachtet worden. Verurteilt wurde er wegen Korruption, auch die Anklage wegen weiterer Verbrechen, inklusive Massenmord, steht. Offiziell gilt er in Thailand als flüchtiger Verbrecher.
Nach der Absetzung Yinglucks hatten die USA einen Teil ihrer Hilfen für ihren bisherigen Verbündeten Thailand eingefroren. Jetzt erhielten die Shinawatras erneut Unterstützung aus den USA. Daniel Russel vom US State Department, der höchste amerikanische Gesandte, der seit der Machtübernahme durch das in Thailand sehr geachtete und als patriotisch geltende Militär im Frühjahr 2014 das Land besuchte, traf sich mit Regierungsvertretern wie auch der abgesetzten Premierministerin. Unter anderem meinte er, die internationale Gemeinschaft bekomme den Eindruck, diese Schritte (-die Amtsenthebung-) könnten politisch motiviert sein. Nach Auskunft des US State Department sagte er zu Außenminister Tanasak Patimapragorn, Amerikas Beziehungen zu Thailand könnten sich nicht normalisieren, bis die Demokratie wieder errichtet sei.

Der ehemalige Reuters-Journalist Andrew McGregor Marshall, einer der größten Unterstützer der Shinawatras, bestätigte indes die Vorwürfe des Terrorismus gegen Demonstranten zur Amtszeit Yinglucks. Er behauptete, selbst mit den Mördern gesprochen zu haben und ordnete sie den „Roten“ (militanten Anhängern der Pheu Thai) zu. Wenn dem so ist, sollte Daniel Russel sich mit der Verteidigung Yingluck Shinawatras zurückhalten und eher die Frage stellen, warum sie lediglich ihres Amtes enthoben wurde und nicht für die von ihren Rothemden begangenen politischen Morde zur Verantwortung gezogen wird.


Quellen:

http://www.bbc.com/news/world-asia-30978016
http://nsnbc.me/2015/01/27/former-thai-pm-yingluck-shinawatra-impeached/
http://altthainews.blogspot.dk/2015/01/us-state-department-collaborating-with.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_MacGregor_Marshall

Letzte Änderung am Freitag, 30 Januar 2015 21:40
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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