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Die USA und der vietnamesisch-chinesische Konflikt

Zündeln im Südchinesischen Meer

Donnerstag, 19 November 2015 18:03 geschrieben von 
"Der nordöstliche Teil des südchinesischen Meeres" "Der nordöstliche Teil des südchinesischen Meeres" Quelle: en.wikipedia.org | Public Domain

Hanoi - Die USA haben am Dienstag eine Erklärung abgegeben, nach welcher sie eine Reihe von Maßnahmen ergreifen werden, um die maritimen Sicherheitskapazitäten ihrer „Verbündeten und Partner in Südostasien“ zu erhöhen.

Dazu gehören finanzielle Unterstützungen zum Ausbau und Training der Seestreitkräfte für vier Länder, namentlich Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam. Die Gesamtsumme betrug 2015 119 Millionen Dollar, für 2016 soll sie auf 140 Millionen Dollar steigen. Hauptempfänger der Gelder sind die Philippinen mit einer Rekordsumme von 79 Millionen Dollar 2015.
Für Vietnam hatte die Unterstützung 2015 19,6 Millionen Dollar betragen, für 2016 sind 20,5 Millionen Dollar geplant. Bisher bestehende Sanktionen gegen Vietnam hinsichtlich des Verkaufs  tödlicher Waffen für die Marine sollen aufgehoben werden, um den langjährigen Gegner Vietnam in die Reihe der US-Verbündeten einfügen zu können. Auch gemeinsame Übungen sollen ausgebaut werden.
Der vietnamesisch-chinesische Konflikte ist tatsächlich uralt, China hatte Vietnam etwa tausend Jahre lang dominiert, und während des Krieges mit den USA versuchte Vietnam, im Konflikt zwischen China und der Sowjetunion eine Art Schaukelpolitik, um von beiden Seiten unterstützt zu werden, wandte sich aber schließlich der Sowjetunion zu, und der vietnamesische Einmarsch im von China und, indirekt, den USA unterstützten „Demokratischen Kambodscha“ Pol Pots führte 1979 zu einem handfesten Grenzkrieg, von China als „Erziehungsmaßnahme“ aufgefaßt.

In den Jahren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks konnten Vietnam und China ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit kontinuierlich ausbauen, wohingegen sich die politischen Beziehungen keineswegs gleichfalls positiv entwickelten. Insbesondere der wachsende Gegensatz zwischen den USA und China spielt im Hintergrund eine Rolle, denn die USA versuchen seit längerem, in Vietnam bestehende antichinesische Ressentiments für sich zu nutzen, wobei China durchaus zu Recht vorgeworfen werden kann, gegenüber dem kleineren Nachbarn arrogant aufzutreten und traditonelle Aversionen nicht gerade abzubauen.
Zwar konnte 2009 eine Einigung bezüglich der 1300 km langen gemeinsamen Landgrenze erzielt werden, bei den territorialen Fragen im Südchinesischen Meer (nach vietnamesischer Bezeichnung dem „Ostmeer“) gelang dies jedoch keinesfalls. Im Sommer 2014 hatten die Aktivitäten eines staatlichen chinesischen Konzerns, der im strittigen Gebiet nach Rohstoffen suchte, zu massiven antichinesischen Ausschreitungen in Vietnam geführt.

Zwar hat China verstanden, daß gegenüber Vietnam diese Härte sich als kontraproduktiv erwiesen hat und seither leisere Töne angeschlagen, als die „Wahrung der nationalen Interessen“ um jeden Preis zu verkünden, und auch der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hatte bei seinem jüngsten Besuch in Vietnam am Anfang des Monats auf die letzten Provokationen der USA (am 27. Oktober war das US-Kriegsschiff „Lassen“ in die 12-Meilen-Zone um eine der von China künstlich verstärkten Inseln eingedrungen) im südchinesischen Meer nicht einmal rhetorisch reagiert, stattdessen gab es eine gemeinsame Erklärung, „maritime Streitigkeiten angemessen und kontrolliert zu behandeln“, von einer Lösung ist man jedoch weit entfernt. Man muß China zumindest in letzter Zeit immerhin guten Willen bescheinigen, ob es jedoch damit die auf Konfrontation gehende Strategie der raumfremden Macht USA unwirksam machen kann, ist leider sehr fraglich.

 

Verweise:

http://www.thanhniennews.com/politics/us-to-expand-maritime-assistance-to-vietnam-with-20-million-fund-53843.html

http://www.thanhniennews.com/politics/vietnam-philippines-boost-ties-as-china-sea-feuds-fester-53816.html

http://journal-neo.org/2015/11/18/xi-jinpings-visit-to-vietnam-and-singapore

http://journal-neo.org/2015/02/10/rus-yuzhno-kitajskoe-more-situatsiya-mozhet-obostrit-sya

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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