Buenos Aires - Am vorletzten Sonntag, dem 22.11. fanden in Argentinien Präsidentschaftswahlen statt. Der Sieg des US-orientierten Liberalen Mauricio Macri bedeutet den konsequenten Bruch mit der peronistischen Tradition des Landes.
Von 2003 bis jetzt regierten die Kirchners das Land – zuerst der verstorbene Néstor und danach seine Frau Cristina. Die Eheleute Kirchner hielten zumindest theoretisch, wenn auch in der Praxis stark eingeschränkt, das soziale und souveränistische Erbe Perons am Leben. Wie vor ihnen der syrischstämmige Carlos Menem, standen sie an der Spitze der „Partido Justicialista“. „Justicialismo“ war die Bezeichnung, die General Perón seine Bewegung gab und ließe sich etwa als „Gerechtigkeits-ismus“ übersetzen.
Néstor und Cristina Kirchner waren sicher nicht die herausragenden Volksführer vom Range Juan und Eva Peróns, ihre Regierungen wurden nicht zu Unrecht der Korruption bezichtigt. Außenpolitisch gelang es ihnen hingegen, weitgehend die Unabhängigkeit des Landes zu wahren. Keineswegs hat Argentinien blind die Befehle der USA befolgt, wie es in Westeuropa oft der Fall ist; zudem unterhielt es gute Beziehungen zu den souveränsten und fortschrittlichsten Nationen Lateinamerikas, wie dem Venezuela von Hugo Chávez oder Ecuador unter Rafael Correa.

Buenos Aires - Eine Strategie, welche die Globalisten immer wieder anwenden, ist die, ein Problem zu schaffen und dann selbst die „Lösung“ vorzuschlagen. Dafür gibt es auch in der jüngeren Geschichte Argentiniens ein gutes Beispiel.
Nachdem er 1955 gestürzt wurde, durfte Perón 1972 wieder nach Argentinien zurück. Schon im nächsten Jahr wurde er mit absoluter Mehrheit als Präsident wiedergewählt. In der kurzen zweiten Amtsperiode an der Spitze seines Landes schickte er im Januar 1974 eine argentinische Delegation nach Libyen, um die Beziehungen mit Gaddafis Regierung zu stärken. Oberst Gaddafi, der gleichfalls weder Washington noch Moskau folgte, war seit 1969 an der Macht. Er erklärte, dass Perón, zusammen mit Nasser, sein größtes politisches Vorbild sei. Der libysche Premierminister Abdusalam Jallud sagte damals “General Perón verkörpert die gleiche Philosophie und die gleichen Ideen, die Libyen in der arabischen Welt vertritt“.

Berlin - Adrian Salbuchi ist ein politischer Analyst aus Argentinien. Er schreibt regelmäßige Beiträge unter anderem für Russia Today (auf Spanisch sowie auf Englisch) und leitet das wöchentliche Programm „Segunda República“ („Zweite Republik“) auf dem Youtube-Kanal „TLV1“. Vor einem Jahr war der russische Politologe Alexander Dugin bei ihm zu Gast.

Mittwoch, 12 August 2015 23:43

Argentinien entscheidet über seine Zukunft

in Politik

Buenos Aires - Im Oktober werden in Argentinien Präsidentschaftswahlen stattfinden. Cristina Fernández de Kirchner hat zwei Amtsperioden regiert und darf, verfassunsbedingt, nicht erneut antreten. Sie und ihr im Oktober 2010 verstorbener Ehemann und Amtsvorgänger Néstor haben das Land als Staatsoberhäupter deutlich tiefer geprägt als in parlamentarisch-demokratischen Regierungssystemen üblich.

Moskau - Argentiniens Präsidentin Christina Fernández de Kirchner wird von ihrem Besuch bei Wladimir Putin nicht mit leeren Händen zurückkehren müssen. Die beiden Staatschefs haben sich auf eine strategische Partnerschaft mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog einigen können. Putins Berater Juri Uschakow zufolge bringe dies die Beziehungen beider Staaten auf eine neue Ebene. Derzeit ist Argentinien Rußlands viertwichtigster Handelspartner in Lateinamerika.

Redaktion